Wochenplanarbeit am Gymnasium Kirchheim

Nach dem Besuch vieler Fortbildungsveranstaltungen und einer erfolgreichen Pilotphase im Schuljahr 2011 / 2012 wurde die Wochenplanarbeit am GyKi in allen fünften Klassen ein- und von den Sechstklässlern fortgeführt.

Aber was bedeutet Wochenplanarbeit eigentlich genau?

Zu Beginn der Woche erhalten die Schüler einen Plan mit Aufgaben aus den Kernfächern Mathematik, Deutsch und Englisch, die sie bis zum Ende der Woche im Unterricht erledigen sollen. Dazu werden im Stundenplan vier Schulstunden als „Wochenplanstunden“ gekennzeichnet. Nach der Fertigstellung einzelner Aufgaben kontrollieren die Schüler diese selbstständig und kennzeichnen sie auf dem Wochenplan als erledigt. Der Lehrer nimmt als eine Art „Lernbegleiter“ Einblick in die Ergebnisse der Arbeit. Er ermutigt und lobt die Schüler bzw. gibt ihnen, wenn es erforderlich ist, Impulse und Hilfestellungen zur Lösung der Aufgaben.

Und warum haben wir die Wochenplanarbeit eingeführt?

Durch die Methode sollen besonders die Selbstständigkeit sowie die soziale Kompetenz der Schüler gefördert werden. Sie lernen, Verantwortung für die eigene Arbeit zu übernehmen, sich Hilfe zu holen und anderen zu helfen. Da sie ihre Aufgaben in einem vorgegebenen Zeitraum bearbeiten müssen, üben sie zusätzlich, sich ihre Zeit genau einzuteilen, wobei jeder Schüler den von ihm benötigten Rhythmus von Konzentration und Entspannung selbst bestimmen kann. Ein weiterer Vorteil des Wochenplanunterrichts ist die Möglichkeit, Aufgaben und Aufgabenwege zu differenzieren. Mit Hilfe von Pflicht- und Wahlaufgaben bzw. durch Auswahlmöglichkeiten zwischen leichteren und schwierigeren Aufgaben soll jedes Kind realistisch gefordert und individuell gefördert werden, um so sein Engagement und Durchhaltevermögen zu stärken. Durch die überwiegende Selbstkontrolle anhand von Lösungsblättern entfällt ein direkter Leistungsdruck durch den Lehrer; die Kinder lernen im Laufe der Zeit, sich immer besser selbst einzuschätzen. Der Lehrer hat während der Wochenplanstunden die Möglichkeit, sich intensiver um einzelne Schüler zu kümmern und so gute Einblicke in deren Lernfortschritte zu erhalten.

Was können wir an der Wochenplanarbeit noch verbessern?

Nach mehreren Jahren der Erprobung und Evaluierung schien es zu Beginn des Schuljahres 2015/2016 an der Zeit zu sein, die Wirkung unserer Wochenplanarbeit einer genauen Prüfung zu unterziehen.

So begann eine Arbeitsgruppe damit, nach der in der Stiftungsarbeit häufig zur Anwendung kommenden Methode "Theory of Change" eine Wirkungslogik für die Wochenplanarbeit aufzustellen. Schon der Austausch innerhalb der Gruppe trug sehr stark dazu bei, die Wochenplanarbeit in ihrer Komplexität besser zu verstehen. Möglichkeiten, aber auch Grenzen wurden sichtbar. Anschließend wurden Indikatoren, die anhand dieser Logik aufgestellt worden waren, in einer detaillierten Evaluierung überprüft. Ziel war es hierbei herauszufinden, inwieweit die beabsichtigten Wirkungen, z.B. in den Bereichen eigenverantwortliches Arbeiten, individuelle Förderung, Sozialverhalten oder Motivation, erzielt werden.

Die Ergebnisse dieser unter SchülerInnen und Lehrkräften durchgeführten Befragung waren sehr aufschlussreich. Die Aussagen der Schülerinnen und Schüler legen nahe, dass der Wochenplan seine Ziele nicht verfehlt. Allerdings wird er weder von Schüler - noch von Lehrerseite uneingeschränkt befürwortet. Als problematisch wird von beiden Seiten zum Beispiel die Realisierung des Wunsches nach Binnendifferenzierung und individuellem Feedback angesehen, also Aspekten, die auch im Nichtwochenplanunterricht eine gewichtige Rolle spielen.

Um Aussagen hinsichtlich der Wirksamkeit des Wochenplans weiter zu präzisieren, liegt es daher nahe, die Evaluierung unter Einbezug von Vergleichsgruppen zu wiederholen. Dies wird im Frühjahr 2017 geschehen. So gibt es seit Beginn des Schuljahres in den Jahrgangsstufen 5 und 6 auch wieder Klassen, in denen nicht im Wochenplan gearbeitet, sondern mit anderen Methoden ein Augenmerk auf individuelle Förderung und Binnendifferenzierung gelegt wird.

 Jessica Theis, Katja Neufeld,  Bernd Lemanczyk und Maximilian Demmler