Ohne Tutoren ist alles doof …

Abbildung zum Ablauf der Tutorenjahrs

… ein Satz den man als Tutor durchaus des Öfteren von den ein oder anderen ehemaligen Fünftklässlern zu hören bekommt, wenn man sich in der Aula zufällig über den Weg läuft. Denn auch die sonst so aufgedrehten, niemals stillsitzenden – geschweige denn schweigenden 5. Klassen werden plötzlich ganz leise, wenn es um den Abschied der Tutoren geht. Nur ungern lassen sie ihre „Großen“ Spielgefährten gehen und protestieren lautstark, wenn ein Weiterführen der Tutorenstunden abgelehnt wird. Auch für uns Tutoren ist es natürlich schade, sich von einer Klasse trennen zu müssen und die „Schäfchen“ nun alleine den weiteren Weg am Gyki gehen zu lassen. Aber es ist schön zu sehen, dass man sie ganz sicher und gutvorbereitet diesen Weg antreten lässt. Denn Tutorenarbeit beschränkt sich nicht auf das Spielen in den Tutorenstunden, was aber natürlich für die „Kleinen“ absolut im Vordergrund steht, sondern hinter dem Tutorenprinzip am Gymnasium Kirchheim steckt weitaus mehr. 

Schon mit der Vorstellung der Tutoren in den jeweiligen 5. Klassen fangen wir Tutoren an, unserer Hauptaufgabe nach zu gehen: Integrieren, verbinden, Vertrautheit fördern, Barrieren überbrücken und kurz um ein stärkeres „Wir-Gefühl“ schaffen:

Das alles ist schwieriger als man denkt. Zusammen mit Frau Ernst, die seit 12 Jahren die Tutoren betreut, Herr Bast, der ihr seit sieben Jahren zur Seite steht und unseren zwei Sozialpädagogen Philip und Petra Krause überarbeiten wir in unserem jährlichen Tutorenseminar unser System und bereiten immer wieder neue Tutoren auf die Arbeit mit den 5. Klassen vor, bilden uns weiter, versuchen Ursachen von Problemen zu erkennen und Methoden heraus zu arbeiten, wie wir diese Probleme beseitigen können.

Am Anfang des Schuljahres und mit Beginn der Tutorenstunden versuchen wir, den Fünftklässlern mit Hilfe einer Schulhausführung einen groben Überblick über das Schulhaus zu verschaffen und nehmen ihnen Ängste, ermöglichen positive Erfahrungen und Erfolgserlebnisse, und geben ihnen durch klare Strukturen Sicherheit.

Nach dem gemeinsamen, von uns Tutoren organisierten Wandertag kennen wir die Klasse soweit, dass wir darauf achten können, dass Schüler die Probleme haben, in der Klasse einen Platz zu finden, in den Tutorenstunden mit Hilfe von Spielen integriert werden. Mit Hilfe von „Kennenlernspielen“ unterstützen wir zudem allgemein das Zusammenwachsen der Klasse und die langsam aufkeimende Vertrautheit unter den Schülern. Gleichzeitig bauen wir zu den Schülern Vertrauen auf und bieten uns als Ansprechpersonen bei Problemen an. Da für viele Fünftklässler der Schritt zum Lehrer oftmals besonders am Anfang des Schuljahres noch ein sehr großer ist, wird dieses Angebot auch gerne wahrgenommen. Wir Tutoren versuchen somit, eine Brücke zwischen Schülern und Lehrern auf zu bauen und als Übermittlungsstelle zu dienen.

Am Anfang des Schuljahres steht zudem das Highlight der „Kleinen“ an: Der 3-tägige Schullandheimbesuch gemeinsam mit den zwei Klassenlehrern und den Tutoren. Die Planung und Organisation dieser Tage übernehmen hierbei hauptsächlich wir. Damit entlasten wir die Lehrkräfte und geben ihnen so die Möglichkeit sich von ihrem „Lehrerdasein“ ein wenig zu lösen und gemeinsam mit der Klasse mehr zu einer „Gemeinschaft“ zusammen zu wachsen. Sofern die Klasse gut „funktioniert“ spielen wir im Schullandheim erstmals „Vertrauensspiele“ um den Zusammenhalt der Klasse weiter zu stärken. Mit dem Veranstalten von Wettkämpfen bieten wir der Klasse die Möglichkeit, „Machtkämpfe“ auszutragen, um einen geeigneten Platz in einer Gruppe zu finden. Wir beziehen sie in unsere Planungen mit ein und lassen sie gemeinsam als Klasse mit bestimmen und Verantwortung tragen.

In den folgenden Tutorenstunden und der Nikolausfeier verzichten wir Tutoren immer mehr auf Vorgaben und bieten den Schülern so die Möglichkeit, sich immer selbstständiger in das Schulleben zu integrieren. Mit Gruppenauftritten und gemeinsamen Projekten in Tutorenstunden lernen die Fünftklässler, sich gegenseitig zu akzeptieren, den Austausch von Ideen, Meinungen und Problemlösungsansätzen und ein immer stärker werdendes „Wir-Gefühl“ entsteht.

In Gesprächen mit den Lehrern werden Ursachen für einzelne Problemfälle geklärt und nach Lösungen gesucht. Die enge Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Schülern gibt den Fünftklässlern Sicherheit und entlastet zudem die Lehrer, da diese sich auf ihren Unterricht konzentrieren können und trotzdem wissen, dass Ihre Klasse in guten Händen ist und bei Problemen etwas getan wird.

Am Ende eines Tutorenjahres sind wir Tutoren vollständig in den Hintergrund getreten. Wir erfüllen unsere Rolle als Beraterfunktion, beschaffen Materialien wo welche gebraucht werden, überlassen die Gruppe aber ansonsten ganz sich selbst. Wir schauen, dass alles funktioniert und die Schüler zusammenhalten, dass die Kommunikation stimmt und die Klasse in der Lage ist, sich selbst zu „lenken“. Wir lassen unsere „Schützlinge“ dann immer mehr ihren eigenen Weg gehen und verabschieden uns zum Halbjahr von der Klasse. Mit der gemeinsamen Faschingsfeier Ende Januar/ Anfang Februar die alle Tutoren gemeinsam für alle fünften Klassen organisieren schließen wir das Tutorenseminar ab und bereiten uns langsam auf die Wahl der neuen Tutoren vor.

Man sieht also, wie viel Arbeit eigentlich hinter dem System der Tutoren steht und wie viel „weg brechen“ würde, wenn dieses nicht da wäre. Die Tutorenarbeit am Gymnasium Kirchheim ist zu einem wichtigen Bestandteil der Schule geworden und eigentlich nicht mehr weg zu denken.

Wir danken unseren ständigen Begleitern Frau Ernst und Herr Bast und freuen uns auf alle neuen fünften Klassen … denn…  auch ohne euch „Kleinen“ ist alles doof!

Miriam Busch