Schach als Profilfach am GyKi

Schach ist ein zugleich einfaches (--> Grundregeln) und hochkomplexes (--> strategische Tiefe) Spiel, das Menschen seit vielen Jahrhunderten begeistert.

„Schach als (bewertetes) Schulfach“ besitzt eine lange Tradition in Deutschland, die leider mit dem Ende der Weimarer Republik nunmehr seit 80 Jahren mehr oder minder ruhte. Zum Glück erlebt das deutsche Schulschach momentan eine „Boomphase“, so dass es vielerorts Bestrebungen gibt, Schach als bewertetes Fach in der Mittel- und Oberstufe des Gymnasiums anzubieten.

Es gibt viele gute Gründe das Schachspiel in den Schulalltag zu integrieren. Aufgrund der endlichen Länge dieses Artikels möchte exemplarisch nur eine paar Aspekte angeben, die mir besonders wichtig erscheinen:

  • Schachspielen schärft das logisch-analytische Denken und die räumliche Vorstellungskraft.
  • Schachspielen stärkt das intellektuelle Selbstbewusstsein, denn wer in einem Turnier gegen Erwachsene bestehen kann, fürchtet auch den nächsten Mathe- oder Physiktest weniger.
    Nebenbei erwähnt, besitzen (starke) Schachspieler in unserer Gesellschaft einen Nimbus (eine Aura) der Klugheit, obwohl die meisten Schachspieler diesen Aspekt eher (selbst-)ironisch betrachten würden. :-)
  • Schachspielen bringt Menschen aller Altersklassen zusammen.
  • Schachspielen fördert die Kreativität. Man kann eine Schachpartie auch als das abwechselnde Stellen von logischen Rätseln betrachten. In diesem Bild muss ich, wenn ich am Zug bin, das Rätsel meines Spielpartners lösen und mir gleichzeitig ein möglichst knackiges Problem für ihn überlegen.
  • Schachspielen entspannt. Unser Schulalltag ist extrem hektisch und der Unterricht oft etwas gleichförmig aufgebaut (trotz aller Bestrebungen zur Vielfalt). Eine Schachpartie bietet die Möglichkeit, für einen Moment „abzuschalten“ und seine Konzentration voll auf den Mikrokosmos der 64 Felder auszurichten.

Der Kurs richtet sich an interessierte Schülerinnen und Schüler ohne Voraussetzung von Grundkenntnissen.

Wir beginnen mit den Spielregeln und einem Grundkurs zu den wichtigsten „Überlebenskompetenzen“ im Schachkosmos (z.B. „Wie eröffne ich eine Schachpartie richtig?“, „Wie wertvoll sind die einzelnen Figuren?“, „Wie setze ich Matt mit König+Dame oder König+Turm?“, …).

Schritt für Schritt werden danach komplexere taktische und strategische Konzepte eingeführt und somit ein Verständnis für Mittelspielstellungen gewonnen. En passant werden wir uns dabei mit den kulturellen Aspekten des Spiels befassen, aktuelle Partien aus der Großmeisterpraxis anschauen und Varianten des Spiels (wie z.B. Chinesisches Schach oder Chess960) kennenlernen.

Zusätzlich spielen die Behandlung wichtiger Endspiele und eine Einführung in die Eröffnungstheorie eine große Rolle. Und last but not least steht natürlich das Spielen selber im Mittelpunkt, denn auch beim Schach gilt: „Probieren geht über Studieren“. :-)

Das Ziel des einjährigen Kurses ist, eine Spielstärke im Bereich von 1200 DWZ (deutsche Wertzahl) zu erreichen, so dass man selbstbewusst einen Schachverein besuchen kann und sich dabei denken darf „Schaut mal, das kann ich … was könnt ihr (eigentlich)!?“ :-)