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Modell Europa Parlament

Die Kirchheimer Delegation
Die Kirchheimer Delegation

Das Modell Europa Parlament – kurz MEP – ist ein Planspiel, bei dem man die Rolle eines/einer Europaabgeordneten einnimmt und eine Sitzung im Europaparlament simuliert.

Zu diesem einwöchigen Planspiel fuhren in der ersten Märzwoche Delegationen von bis zu acht Personen pro Bundesland nach Berlin. Sieben Schülerinnen und Schüler aus Kirchheim, die von Frau Wedler und Herrn Pelzer begleitet wurden, vertraten als bayerische Abordnung auf europäischer Ebene das Land Litauen. In verschiedenen Ausschüssen diskutierten sie bis tief in die Nacht hinein mit anderen Delegierten aus der ganzen Bundesrepublik, aus Österreich, Tschechien, Ungarn und Luxemburg über große europäische Themen wie die Bekämpfung der Fluchtursachen, eine europäische Strategie gegen Steuerflucht oder die fortschreitende Digitalisierung. Insgesamt acht Resolutionen erarbeiteten die Jugendlichen über umfangreiche Ausschussberatungen und Änderungsanträge und debattierten zwei Tage lang im Plenarsaal des Bundesrates. Doch am Ende hat sich das Ringen um gemeinsame Positionen gelohnt: Vier Resolutionen erhielten eine Mehrheit. Sie werden jetzt nach Brüssel geschickt, damit sich Rat, Kommission und EU-Parlament mit ihnen befassen können. Im Sinne einer aktiven Gestaltung Europas durch die Jugend.

Und auch für die jugendlichen Abgeordneten aus Kirchheim hat es sich gelohnt: Zwei aus der bayerischen Delegation werden an europaweiten internationalen Planspielen teilnehmen, und das ist eine echte Leistung, denn die Vorbereitung der ganzen Aktion war extrem knapp. Andere Schulen haben das Planspiel schon seit Jahren fest im Schulalltag verankert und kennen das Procedere daher entsprechend gut. In Kirchheim dagegen steckt das Projekt noch in den Kinderschuhen, denn das GyKi war erst eine Woche vor Weihnachten angefragt worden, ob es an diesem politischen Planspiel teilnehmen möchte. Dementsprechend sind wir sehr stolz über die Nominierungen!

Und das sagen die sieben selbst über das Modell Europa Parlament:

  • „Es war cool, denn man lernte Reden zu schreiben, Argumente überzeugend herüberzubringen.“
  • „Mit anderen zu debattieren, die eigene Position zu schärfen, neue Kontakte zu knüpfen, hat Spaß gemacht.“
  • „Man bekommt neue Eindrücke von politischer Arbeit.“
  • „Dass man bis tief in die Nacht hinein an Formulierungen gefeilt hat, war enorm anstrengend.“
  • „Ein Gemeinschaftsgefühl innerhalb eines Ausschusses entwickelte sich erst recht spät.“
  • „Das Essen in der Kantine des Bundesfinanzministeriums war delikat.“

Und wie geht es jetzt weiter?

Unsere Delegation wird in den kommenden Wochen einen Fahrplan erstellen, wie wir das Modell Europa Parlament an unserer Schule dauerhaft einführen können. Denn das sich das lohnt – Politik selbst in die Hand zu nehmen, das haben wir erlebt!

Irmela Wedler für die Delegierten Amelie Gebauer, Elena Tamura Ferré, Franziska Wenzel, Janik Pagel, Jeremy Wokittel, Konstantin Lau und Julian Laux sowie Janosch Pelzer

Pressemeldung zum Modell Europa Parlament

MEP Pressebild 1

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Europa Erleben

Europa Praktizieren

 

Model Europa Parlament (MEP) 19. Nationale Sitzung im Bundesrat Berlin, 4. bis 9.3.2018

Das MEP 2018 – Mit Herzklopfen und offenen Augen für Europa

„Meine größte Hoffnung ist, dass wir Europa als eine offene Staatengemeinschaft mit gemeinsamen Werten erhalten können. Die aktuellen Bestrebungen zur Abkehr von der europäischen Idee sind äußerst besorgniserregend“, so formulierte Bundesratspräsident Michael Müller bei der Fishbowldiskussion des 19. Planspiel "Modell Europa Parlament" (MEP) im Bundesrat vor den 160 jungen Europäern seinen größten Wunsch an Europa.

Während die künftige Bundesregierung in dieser Woche langsam Form annahm, ging es im Bundesrat im Kern um die Zukunft der europäischen Einigung und um Herausforderungen, die wir nur gemeinsam lösen können: Fluchtursachen, Digitale Revolution, Steuerflucht oder die Handelsbeziehungen zu China. Alle Redner und Gesprächspartner, egal ob der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter oder die Direktorin des Bundesrates Dr. Ute Rettler sprachen sich dabei für ein demokratisches Europa aus, dass von der heutigen Jugend mit offenen Augen mitgestaltet werden müsse.

Der Verein "Modell Europa Parlament Deutschland" bietet jungen Menschen im Planspiel die Möglichkeit, für eine Woche in die Rolle von EU-Abgeordneten zu schlüpfen und so Europa hautnah zu erleben und mitzugestalten. Vom 4. bis 9. März 2018 hatte der Verein Schulgruppen aus jedem Bundesland sowie Gastdelegationen aus Österreich, Luxemburg, der Tschechischen Republik und Ungarn nach Berlin eingeladen, um über aktuelle Themen der Europäischen Union zu diskutieren.

Was hier von den 160 jungen potentiellen Politikern vollbracht wird, ist gelebtes Europa, wie MEP-Präsident Simon Ferel es in seiner Rede formulierte. "Europa hat seit zwei Generationen alle Erwartungen übertroffen, von denen wir heute profitieren. Ich möchte nicht zu der Generation gehören, die das alles auf Spiel setzt“. Er ermunterte die Jungparlamentarier als Vorbilder Europa nicht nur zu erleben, sondern es auch aktiv mitzugestalten.

Ein Höhepunkt war für alle sicherlich die Diskussion mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin und aktuellem Bundesratspräsident Michael Müller. Auch hier drehten sich die Fragen und Kommentare der Jugendlichen um Europa, Partizipation und Nachhaltigkeit. „Beteiligt Euch“ rief er den MEP-Delegierten aus den 16 Bundesländern zu. Denn Demokratie und Europa lebe von der Beteiligung der Jugendlichen. Auf eine Reduzierung des Wahlalters auf 16 Jahre wollte er sich aber noch nicht festlegen.

Im Mittelpunkt des MEP standen aber die Debatten der Jugendlichen zu den acht Ausschussthemen: Dabei sahen die jungen Delegierten nicht nur so aus wie ihre Vorbilder aus dem Europaparlament, sie redeten auch so. So appellierten sie an die Verantwortung als Europäer, stritten über die Einführung von transnationalen Listen bei den Europawahlen und fragten sich, ob die Digitalisierung wirklich genug Arbeitsplätze schaffe, wie sie vernichte.

Sie forderten das Wahlalter in einer Testphase auf 16 Jahre zu senken, vermehrt Rüstungskontrollabkommen zu schließen sowie ein europäisches Finanzministerium zu schaffen. Sie stellten Änderungsanträge, strichen Resolutionen zusammen und stellten die Geschäftsordnung in Frage. Nach 16 Stunden Debatte waren allen Beteiligten die körperliche und geistige Erschöpfung anzusehen. Aber viele waren auch glücklich, trotz Herzklopfen eine Rede im Bundesrat gehalten zu haben.

Die drei jungen Präsidenten Simon Ferel, Georg Maxton und Anna Boysen-Carnicé leiteten souverän durch die Sitzungen. Ein Zitat von Willi Brandt aus seiner Osloer Nobelpreisrede von 1971 bildete den Kern ihrer Abschlussrede "Unsere gesamteuropäische Politik kann über die jahrhundertealten Identitäten von Nationen und Staaten nicht hinweggehen. Wir müssen vielmehr ein Gleichgewicht zwischen den Staaten und Staatengruppen schaffen und wahren, in dem die Identität und die Sicherheit eines jeden von ihnen geborgen sein kann.“

Bei all diesen ernsten Herausforderungen blieb trotzdem noch genug Zeit für Spaß. Dazu gehörte auf jeden Fall der Flashmob mit Europaluftballons auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor. Aber auch die szenischen Darbietungen zu den Themen der Ausschüsse sowie die Präsentationen des zu vertretenden EU-Landes boten Gelegenheit, gemeinsam zu lachen, Kontakte zu knüpfen und von einem besseren Europa zu schwärmen.

Das Projekt ist Teil des sogenannten Strukturierten Dialogs der EU mit der Jugend. Das bedeutet, dass die MEP-Resolution zum Thema Jugend tatsächlich den Weg nach Brüssel in den Rat der Jugendminister nehmen wird. Das MEP ist damit eine konkrete Möglichkeit für die jungen Menschen, mitzureden. 

Weitere Informationen: www.mepgermany.de

Kontakt: Christopher Lucht / 0177 - 3378 468 lucht@perspektiveeuropa.de

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