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In der Hölle von Kirchheim...

Intro

… geht es zwar (sehr) warm, aber durchaus gastfreundlich* zu, wie der Internationale Meister (=IM) Frank Zeller am 22.06.2017 feststellen durfte. Er hatte sich auf die weite Reise aus Tübingen gemacht um an 40 Brettern gegen Schüler, Schülerpaare und eine kleine „Seniorenminorität“ (Herrn Keller, Herrn Naumann von der SG AFK und mich) simultan anzutreten.

Nach einer kurzen Einführung und der Begrüßung von Herrn Zeller begann das Simultan um kurz nach 10.00 Uhr. Frank Zeller spielte an allen Brettern mit den weißen Steinen und hatte jeweils nur einen kurzen Moment Bedenkzeit, wenn er ans jeweilige Brett trat, während jeder Kontrahent so lange nachdenken durfte, bis der IM eine Runde gedreht hatte und wieder an ihrem  Brett angekommen war.


GyKizilla rising...

Das vierzigköpfige Monster „GyKizilla“ machte zwar optisch einen sehr imposanten Eindruck, musste aber bereits in der erste Stunde Federn – bzw. Köpfe lassen – und auf vielen Brettern zeigte sich, dass sich dieser Trend wohl fortsetzen würde. Der erste Streich von Herrn Zeller erwischte Philipp Esser (5A), der auf f7 (unsanft) Matt gesetzt wurde. (Philipp ließ sich davon nicht weiter stören und unterstützte im Folgenden seine Schwester Katharina (8A) sowie seinen Klassenkameraden Bruno Bittrich beim Überlebenskampf an den Nachbarbrettern.)

Ein wenig Hoffnung machte sich im Raum breit als nach der 4. Stunde die „Reinforcements“ der 7F eintrafen – die noch eine Stunde Englisch gebüffelt hatten –, da sie als erfahrene (Schach-)Haudegen gelten. Leider stachen unsere Trümpfe an diesem Tag nur bedingt ;-)


Clemens Brixner (5F) glaubte zwar kurzfristig Material gewinnen zu können, aber leider erwartete ihn ein „Kontermatt“ am Ende der eigentlich geplanten „Gewinnkombination“.

David Mehlhorn (7D) hatte eine interessante Verteidigungsstellung in der königsindischen Verteidigung erreicht, nachdem Frank Zeller ein Doppelqualitätsopfer** gespielt hatte. Jedoch erwies sich die Verteidigung als sehr schwierig und wie so oft in solchen Stellungen führen bereits kleine Fehler zu massiven Material- oder direktem Partieverlust, was David am eigenen Leib erfahren musste.


Herr Keller gelangte in eine für Weiß dubiose, aber sehr scharfe Königsgambitvariante, in der der IM und Königsgambitroutinier ihn im Angriff überspielte.

Persönlich ließ ich im 11. Zug in einer Variante des Rossolimo-Sizilianers eine Chance aus und konnte meine Stellung dann langsam von dem Zustand „leicht gedrückt“ in den Zustand „hoffnungslos verloren“ überführen.

Das Blut- bzw. „Holzspänebad“ nahm also seinen Lauf und nach und nach lichtete sich das Feld, so dass wir gegen 13.00 Uhr „knapp“ mit 0:25 hinten lagen und Herr Naumann nach Betrachtung der Situation an den verbleibenden Brettern die „optimistische“ Einschätzung „Es reicht wohl heute nicht für ein Remis.“ äußerte.


The inevitable end...

Lange Rede kurzer Sinn, nach und nach wurde es an allen Brettern Zeit IM Zeller die Hand zu reichen um zu kapitulieren und ihm für die schöne Partie zu danken. Arthur Krumm und Micha Schöpf warteten noch die Aufgabe am Nebenbrett von Johanna Manhes und Juma Heidacher (alle 7F) ab, um als „Letzte“ in der Runde die Fahne zu streichen.

Aber sie hatten ihre Rechnung ohne Patrick Lardschneider (9E) gemacht, der unbemerkt von fast allen – inklusive IM Zeller – noch eine (stark) angeschlagene Stellung im Endstadium vor sich verwaltete. Da der „pragmatische Vorschlag“ der Organisation, das Simultan mit einem Gnadenremis zu beenden - natürlich nur um schneller zum Trainingsteil vorzustoßen ;-) - abgelehnt wurde, durfte auch Patrick noch in den Genuss kommen, schnell und meisterlich Matt gesetzt zu werden. Damit war nach mehr als 4 Zeitstunden um ca. 14.15 Uhr das Ende des Simultans mit 0:40 erreicht und ein verschwitzter, aber zufriedener Sieger erbat sich eine kurze Pause***, um im Anschluss mit der Nachbesprechung der Partien zu starten.

Nachdem es bei der Nachbesprechung erst noch etwas schüchtern zuging – immerhin trainiert man nicht jeden Tag mit einem internationalen Meister – wurde das Publikum bald immer munterer und stellte viele Fragen.

Im Zentrum der Besprechung stand die von Lukas Burghardt (5F) in der Aljechinverteidigung gespielte Partie, da sie viele schöne Angriffsmotive enthielt. Zusätzlich wies Herr Zeller noch auf verschiedene prinzipielle Eröffnungsfehler hin, die ihm aufgefallen waren und lobte GyKizilla für die Begeisterung und den Einsatz beim Schachspiel. Leider war die Trainingsstunde um 15.20 Uhr – viel zu schnell! – um, wobei sich natürlich Herr Zeller eine richtige Pause nun wahrlich verdient hatte!


Dank und Ausblick

Vielen Dank an Herr Zeller für den Einsatz und die Ausdauer bei dieser Marathonveranstaltung! Wir hoffen, dass wir Herrn Zeller in den nächsten Jahren nochmals am GyKi begrüßen dürfen … immerhin warten wir ja noch auf unseren ersten (halben) Punkt ;-)

Besonderer Dank gilt auch Matthias Naumann (1. Vorsitzender der SG AFK) für die Kontaktvermittlung und Felix Storkenmaier (P-Seminar GyKi-Chess) für die tolle Vororganisation sowie die kompetente Mitorganisation vor Ort!

In diesem Schuljahr finden noch die Chess-Masterclass (Sondertraining für Fortgeschrittene) und das Sommerturnier bei der Projektwoche statt.

Mit schachlichen Grüßen

Pierre Tassell


* Vermutungen einiger Schüler, dass der Organisator mit Absicht einen der wärmsten Räume der Schule ausgewählt und Herrn Zeller entkoffeinierten Kaffee untergeschummelt hätte, um die Gewinnwahrscheinlichkeit von GyKizilla zu optimieren, werden an dieser Stelle vehement zurückgewiesen!

** Wenn man beim Schach einen Turm (ca. 5 Bauerneinheiten) gegen eine Leichtfigur (Springer oder Läufer: Wert ca. 3 Bauerneinheiten) tauscht, wird dies als Qualitätsopfer bzw. Qualitätsverlust bezeichnet, je nachdem unter welchen Begleitbedingungen (und welcher Intention) der Tausch passiert.

*** Um nicht Menschenrechtsorganisationen auf den Plan zu rufen, wurde der Wunsch natürlich gewährt ;-)

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