Fishbowldiskussion

„Putin hat eine moralische Niederlage erlitten“ – Europapolitiker zu Gast am GyKi

„Es ist genau der passende Zeitpunkt, um der NATO beizutreten“, meint Dr. Sergey Lagodinsky im Gespräch mit Schüler:innen der Politik-AG und des MEPs auf die Frage, ob der NATO-Beitritt von Finnland und Schweden nicht zum falschen Zeitpunkt kommt. Per Teams diskutierte er am 27. Mai mit den beiden politischen Gruppen des Kirchheimer Gymnasiums.

Lagodinsky ist Abgeordneter im EU-Parlament für die EFA/Grünen-Fraktion und deren russlandpolitischer Sprecher. Als stellvertretender Vorsitzender des Rechtsausschusses sowie stellvertretendes Mitglied des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten sowie des Ausschusses für Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres sowie Vorsitzender der EU-Türkei-Delegation ist er einer der besten Experten für die aktuellen außenpolitische Belange der Europäischen Union.

Während der erste Teil sich noch um den persönlichen Werdegang drehte, wurde es langsam thementechnisch ernster. Umstritten war die Frage, ob es denn der passende Zeitpunkt ist, dass Finnland und Schweden der NATO beitreten. Laut Lagodinsky ist es „genau der passende Zeitpunkt, um der NATO beizutreten“, da nur unter dem „NATO-Schutzschild“ eine Ausbreitung des Krieges auf die skandinavischen Länder verhindert werden könne. Einen NATO-Beitritt der Ukraine vor dem russischen Angriff sieht er im Nachhinein betrachtet als sinnvoll an, auch wenn er sich immer dagegen ausgesprochen hatte. In der aktuellen Situation lehnt er diesen jedoch ab und setzt auf ein weiteres Durchhalten der aktuellen Sanktionen der EU. Den Ausgang des Krieges sieht er weiterhin als offen an, auch wenn die Russen im Donbass derzeit immer mehr Siege verbuchen können. Auf die Frage, ob Putin nicht eh schon verloren hätte, antwortete er, dass Putin eine moralische Niederlage erlitten hätte, da der Plan, die gesamte Ukraine innerhalb kürzester Zeit einzunehmen, nicht aufgegangen ist. Auch wenn der Krieg eine große Bedrohung für die globale Sicherheit darstellt, so betonte Lagodinsky, dass man trotzdem nicht die anderen Probleme vergessen dürfe. Der Klimawandel sowie Hungersnöte verschlimmern sich zunehmend und auch dagegen müsse konsequent vorgegangen werden.

Auch wenn längst nicht alle Fragen gestellt wurden, so war es dennoch eine sehr schöne Diskussion mit Herrn Lagodinsky oder – wie er es uns angeboten hat – mit Sergey.

Tom Faßhauer (Q11)

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