Geschichte

Ruine - Zahn der Zeit

Die Schüler erlangen durch den Unterricht im Fach Geschichte am Gymnasium vertiefte Erkenntnisse über Strukturen, Entwicklungen, Ereignisse und Persönlichkeiten, welche die Vergangenheit geprägt haben und damit auch das Leben in der Gegenwart beeinflussen. Sie erhalten einen Einblick in das Denken und Handeln der Menschen in früheren Zeiten. Ihnen wird bewusst, wie historisches Wissen entsteht, und sie entdecken das Faszinierende an der Beschäftigung mit der Dimension „Zeit“.

Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit fördert die Bereitschaft, sich mit dem zeitlich und räumlich Fernen sowie dem Fremden und Ungewohnten auseinanderzusetzen und ihm mit Offenheit zu begegnen. Gleichzeitig erleichtert die Beschäftigung mit Zusammenhängen zwischen Vergangenheit und Gegenwart die Orientierung der Schüler in ihrer eigenen Lebenswelt. Um die Zukunft mitzugestalten, bedarf es der Erkenntnis, dass die Gegenwart historisch bedingt ist.

Ein vertieftes historisches Bewusstsein ist somit wesentlicher Bestandteil einer soliden politischen Bildung.

Weitere detailierte Informationen finden Sie hier.

Bilingualer Geschichtsunterricht

Ein besonderes Konzept im Fach Geschichte ist der bilinguale Geschichtsunterricht, der teilweise in Englisch abgehalten wird. Hierbei werden die vorhandenen Sprachkenntnisse auf den Themenbereich Geschichte angewandt und dadurch die schriftlichen und mündlichen Englischkenntnisse sowie das englischen Vokabular gefördet und ausgeweitet.

Vorteile des bilingualen Geschichtsunterrichts:

  • Förderung der schriftlichen und mündlichen Englischkenntnisse
  • Anwendung der Sprachkenntnisse auf den Themenbereich Geschichte
  • spielerische und ungezwungene Unterrichtsform, da die Fremdsprachenkenntnisse nicht in die Benotung einfließen
  • durch eine Zusatzstunde in den Jahrgangsstufen 7-10 kann der Unterricht langsamer abgehalten werden
  • Ausweitung des englischen Vokabulars
  • Unterricht durch eigens geschulte Lehrkräfte
  • vermehrt Gruppenarbeit, Arbeiten im Computerraum und der Bibliothek und Projektunterricht
Projekte

An unserer Schule gibt es immer wieder Projekte um den Geschichtsunterricht zu ergänzen. Einige sollen hier vorgestellt werden:

Aus dem Blickwinkel des Archäologen - ein kleines Ausgrabungsobjekt über die untergegangene Kultur Kirchheims

Wir schreiben das Jahr 3419. Die Ausgrabungsteams 6A und 6F der archäologischen Abteilung der Universität Hobbingen machen sich im Rahmen des Projekts „Die untergegangene Kultur Kirchheims“ auf den Weg zur Arbeitsstätte. Diesmal haben sie sich einen rechteckigen Sandkasten vorgenommen, dessen Funktion noch nicht genau geklärt ist und der sich neben einem Gebäude befindet, das zu Beginn des 21. Jahrhunderts dazu gedient haben mag, größere Menschenmengen zu beherbergen und Versammlungen abzuhalten. Dies gibt Anlass zur Hoffnung, dass sich in seinem Umkreis interessante Gegenstände finden lassen, die weitere Einblicke in das geheimnisvolle Leben der Kirchheimer gewähren.

Da es sich bei den Abteilungen 6A und 6F um motivierte Nachwuchskräfte handelt, müssen sie den streng geregelten Ablauf einer Ausgrabung erst von der Pike auf lernen. Zu diesem Zweck haben sie im Vorfeld die Arbeiten innerhalb ihrer Teams aufgeteilt, wozu sie praktischerweise die Räumlichkeiten in dem noch recht gut erhaltenen Gebäude nutzen konnten. Und nun stehen sie unter einem blauen Himmel bereit für ihren ersten Einsatz. Zunächst wird mit Hilfe eines Maßbandes die Grabungsstätte vermessen. Danach muss der Boden Schicht für Schicht abgetragen werden, wobei die Stiche mit der Schaufel gezählt werden, was schwieriger und entmutigender ist, als manche Jungarchäologen vertragen können. Beim 150. erfolglosen Stich werfen manche zornig ihre kleinen Schaufeln von sich und beschimpfen die Ureinwohner ob ihrer Gemeinheit, nichts hinterlassen zu haben. Doch auch den Glücklicheren unter ihnen beleibt es nicht erspart, die Farben, die die weiter unten liegenden Bodenschichten annehmen können, etwas angewidert zu bewundern, während der Sandberg höher und höher wird. Und dabei das Zählen nicht vergessen!

Jeder Jubelschrei, der ertönt, erweckt einen Gegenstand wieder zum Leben, der das Tageslicht lange nicht mehr gesehen hat. Vorsichtig wird er aus dem Sandloch befreit und mit Hilfe kleiner Bürsten und Pinsel gesäubert, bis er hübsch genug ist für die Fotografen oder Zeichner, die schon mit gezückten Utensilien bereitstehen. Anschließend werden die Gegenstände vermessen und alle wichtigen Daten auf einem Fundzettel eingetragen. Dazu gehört auch eine genaue Beschreibung, wobei vor allem vermerkt wird, aus welchem Material die Objekte gefertigt sind und ob sie Verzierungen a.ä. aufweisen. Noch am Fundort werden zudem vorläufige Datierungen vorgenommen und erste Vermutungen darüber angestellt, wozu die Fundobjekte gedient haben könnten. Schließlich gehören sie zu den sogenannten Sachquellen und geben Hinweise auf Kultur, Religion und Alltagsleben einer vergangenen Epoche. Im Verbund mit anderen Quellen kann auf diese Weise das Puzzle der Geschichte um weitere Informationen ergänzt werden. Dabei ist es natürlich nicht immer einfach, Sinn und Zweck von Objekten zu erschließen, die man selbst nicht mehr kennt, weshalb man oft andere Experten wie Biologen oder Kunsthistoriker zu Rate zieht. Besondere Schwierigkeiten haben die Abteilungen 6A und 6F bei der Analyse der abgebildeten Gegenstände: Waren das Götter? Sahen so die Ureinwohner Kirchheims zu Beginn des 21. Jahrhunderts aus? Handelt es sich um Spielzeug oder vielleicht doch um die Darstellung von Dämonen? – Na ja, das ist jetzt aber nicht mehr das Problem der Jungarchäologen, darüber sollen sich die Historiker streiten. Die Abteilungen 6A und 6F sorgen noch dafür, dass alle Gegenstände gereinigt und die beschädigten restauriert werden, damit man sie später in Museen der Öffentlichkeit zugänglich machen kann.

 

Andrea Beer

Lebendige Geschichte mit dem Bajuwarenhof in Kirchheim

Geschichte lebendig werden lassen? – welcher Geschichtslehrer möchte das nicht? Wir hier in Kirchheim haben am Ort die schöne Gelegenheit, dies anhand des Aufbaus des Bajuwarenhofs tun zu können.

Bereits im Mai 2005 war die erste Gruppe vor Ort und half eifrig mit, Lehmputz für die Wände des ersten Gebäudes herzustellen, einen Backofen zu bauen und Stämme für ein Grubenhaus zu schälen und zurechtzustutzen – alles natürlich mit den Werkzeugen, die es im 6. Jhdt. eben gab, und der immer bereiten Hilfe von Hans-Peter Volpert, dem Leiter des jungen Archäologenteams.

Inzwischen nutzen wir die Projekttage am Schuljahresende, den Bajuwarenhof zu besuchen und dann in einem Teilbereich weiterzuarbeiten: 2005 gestaltete die 6. Klasse eine Schautafel, die einen genauen Lageplan der damaligen merowingischen Dorfanlage zeigt, illustriert mit aktuellen Fotos vom Bajuwarenhof. Dazu bastelte eine zweite Gruppe ein Miniaturdorf mit Gehöften, Gemüsegärten, Bäumen und Brunnen.

Im Juli 2006 beschäftigten wir uns mit der Herstellung frühmittelalterlicher Frauenkleidung und -schmuck, in Anlehnung an das hübsche Gewand, in dem und Mirjam Rettenbacher beim Besuch im Bajuwarenhof empfing. Mit tatkräftiger Hilfe von engagierten Elternbeiratsmüttern wurde fleißig zugeschnitten, genäht, gestickt und bemalt. Die Mädels waren fast nicht mehr zu bremsen, als es darum ging, die selbst angefertigten Kleidungsstücke am Sommerfest einem größeren Publikum zu prästentieren.

Untermalt von mittelalterlicher Musik wurde die Bühne zum Catwalk mit eigener Choreographie.

 

Gertraud Heidenhain

Zeitzeugen am Gyki

Geschichte hautnah

Tief beeindruckt waren auch heuer wieder die Schüler der neunten Jahrgangsstufe nach der Begegnung mit dem Zeitzeugen des Holocaust. Wieder hätte man in der Aula des Gymnasiums eine Stecknadel fallen hören, als Abba Naor von der Ereignissen berichtete, die ihm bereits als Kind widerfahren sind und sein Leben bis zum heutigen Tag prägen.

Abba Naor kam schon mit 13 Jahren in ein jüdisches Ghetto in Litauen. Mutter und Bruder sieht er zum letzten Mal im nationalsozialistischen Konzentrationslager Stutthof, als
16-Jähriger leistet er in Außenlagern des KZs Dachau Schwerstarbeit. Am 02.05.1945 wird Abba Naor auf einem der Todesmärsche bei Waakirchen von den Amerikanern befreit; allerdings sagt er bis heute: „Seelisch bin ich nie befreit worden.“

Nach dem eineinhalbstündigen Vortrag zeigten sich die Schüler sehr berührt davon, auf diese eindringliche Weise mit Geschichte konfrontiert zu werden. Sie empfanden großen Respekt davor, dass Abba Naor das Erlebte nicht verdrängen will, sondern sein Schicksal bei jedem öffentlichen Auftritt erneut durchlebt und so auch zu bewältigen versucht. Schockiert waren die Schüler über die Tatsache, dass es in der heutigen Zeit immer noch nationalsozialisti-sches Gedankengut gibt. Die mahnenden Worte Abba Naors machten die Verantwortung jedes Einzelnen deutlich, auch heutzutage jedweder Verharmlosung der nationalsozialisti-schen Gräueltaten entschieden gegenüberzutreten.

Zum Abschluss übergab Clemens Zengler stellvertretend für die Schülerinnen und Schüler der diesjährigen Klasse 10B ein Geheft als Geschenk an Herrn Naor. Aus der unmittelbaren Betroffenheit nach dessen Vortrag im vergangenen Schuljahr heraus hatte jeder Schüler damals im Deutschunterricht einen persönlichen Brief an Abba Naor verfasst, um ihm dafür zu danken, dass er in so unermüdlicher Weise immer wieder die Kraft aufbringt, gerade auch junge Menschen von seinem Schicksal zu berichten und damit auch Hoffnung zu vermitteln. Voller Überzeugung fasste eine Schülerin ihre Eindrücke mit den Worten zusammen: „Ich bin mir bewusst, dass so etwas nie wieder passieren darf, und weiß, dass ich derart schreckliche Taten nicht unterstützen will.“

 

Manuela Bürger

Besuch des Zeitzeugen Hugo Fritsch

Am 27.06.2012 besuchte Herr Hugo Fritsch das Gymnasium Kirchheim, um Schülerinnen und Schülern seine Lebensgeschichte zu erzählen und aus seiner Autobiographie zu lesen. Herr Fritsch beschreibt darin die Vertreibung Deutscher nach dem Zweiten Weltkrieg in der ehemaligen Tschechoslowakei, welche er selbst als 13-jähriger erlebt hatte. Fritsch, geboren 1933, war im tschechischen Brünn unweit der österreichischen Grenze aufgewachsen und hatte dort zwar die deutsche Schule besucht, erwarb sich aber zudem hervorragende Kenntnisse der tschechischen Sprache. Als sich der Einmarsch der Russen abzuzeichnen begann, beschloss der Vater die Flucht in deutschen Staatsgebiet, die allerdings durch Beschuss des Flüchtlingszuges in Blatná bereits ihr Ende fand. Dort angekommen wurden die Flüchtlinge in einer Schule untergebracht, die jedoch schon nach wenigen Tagen in ein Internierungslager umfunktioniert wurde. Im weiteren Verlauf wurden die Flüchtlinge unter russischer Besatzung durch diverse weitere Internierungslager schließlich in einem ehemaligen SS-Ausbildungslager festgehalten. Ungerechtigkeiten, Nahrungsmittelnot, harte Arbeit und Verachtung der tschechischen Bevölkerung prägten dieses Leben. Nur durch glückliche Fügung und seine nützlichen Tschechisch-Kenntnisse verstand es Fritsch, dem größten Leiden zu entkommen und das Lagerleben zu überstehen. Als weiteren Glücksfall beschreibt Fritsch die plötzliche Ausweisung aus dem Lager durch das Internationale Rote Kreuz, sodass er letztendlich über einen zweijährigen Schulbesuch in Prag zu einer deutschen Tante in der Nähe von München ausreisen konnte und dort das Gymnasium besuchte. Auch später ließen ihn seine Erlebnisse nie mehr los. Sodass er stets versuchte in seine alte Heimat zu reisen und mit entschlossener Ausdauer nach Spuren seines alten Lebens suchte.

Seinen fesselnden Vortrag schließt Hugo Fritsch mit den Worten: „Ich bin von den Tschechen sehr gut behandelt worden.“ Gemeint ist hiermit die Hilfe von tschechischen Universitäten und Historikern bei der Suche nach der Vergangenheit. Im Zuge der Erlebnisse der Vertreibung wirken diese Worte seltsam mächtig.
Hugo Fritsch liest heute in zahlreichen Schulen, auf deutscher wie auch auf tschechischer Seite, und ist durch seine ruhige, diplomatische, aber fesselnde Art auf Podiumsdiskussionen und Friedensfeiern ein vielfach geschätzter Gast.

Dem Gymnasium Kirchheim war es eine große Ehre, Herrn Hugo Fritsch willkommen zu heißen, und es bedankt sich in vielfacher Weise für den beeindruckenden Vortrag.

Tobias Mayr (Q11)