Deutsch

Nestbau in Deutsch

Deutschlehrer sind ihrem Nest treu und kehren, abgesehen von wenigen Ausnahmen, in jedem Schuljahr zur gemeinsam erbauten Wirkungsstätte zurück. Wenn das Nest während der Sommerferien oder im Zuge kultusministerialer Neuerungen unversehrt geblieben ist, wird es nur ein wenig ausgebessert, kleinere Schäden werden repariert und mit einer Schicht frischen Nistmaterials aufgestockt. Auf jeden Fall wird die Polsterschicht aus Standards, Modusschulaufgaben und Intensivierungskonzepten überarbeitet oder nötigenfalls auch von Grund auf erneuert. Dies führt dazu, dass das Nest im Laufe der Jahre eine beachtliche Größe erreicht.

Bisweilen aber stehen die Zeichen auf Sturm und man muss (G) Acht geben, dass die mühsam erbaute Brutstätte nicht in ihren Grundfesten erschüttert wird. Schließlich wünscht sich jedes fürsorgliche Vogelpaar ein behagliches Nest, um dem Nachwuchs einen bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen – gerade wenn ohne viel Federlesens ein ganzes Jahr Nestwärme abhanden kommt.

Die gute Nachricht: Das Fundament unseres Nests stimmt und ist stabil. Vor mittlerweile mehreren Jahren haben wir – anfangs noch ein wenig wie der Storch im Salat, dann mit viel Espresso und Esprit -  in unseren „Fachschaftsstandards“ Ast auf Ast gelegt, Zweige eingeflochten und mit Moos, Gras und Federn unterfüttert. Wir Fachlehrer sind stolz, in dieser Basis viele Jahre Unterrichtserfahrung und Kooperationsbereitschaft zusammengefasst zu haben, die allen zu Gute kommen. Die in den Standards festgehaltenen, verbindlichen Fachschaftsbeschlüsse bezüglich Aufsatzformen, Literaturgeschichte und Sprachkompetenz in den jeweiligen Jahrgangsstufen sind eine enorme Starthilfe für unsere neuen Schwarmmitglieder, ständiger Rückhalt und Informationsquelle für erfahrene KollegInnen und geben auch unseren SchülerInnen Auftrieb und Sicherheit, dass innerhalb der Fachschaft und über die Jahrgangsstufen hinweg an einem Strang gezogen wird. So fallen die ersten Freiflugversuche im Vertrauen darauf, dass Lehrer A weiß, was Lehrer B nächstes Jahr will, wesentlich leichter.

Inzwischen haben nicht nur die Dienststelle des Ministerialbeauftragten Oberbayern Ost, sondern auch mehrere Schulen Interesse an unserem Vorgehen bekundet und Nisthilfe erbeten. Sie machen sich nun ihrerseits an eine solche Dokumentation der Fachschaftsbeschlüsse nach unserem Vorbild.

Das wiederum spornt uns an, unser Nest weiterzuentwickeln, um es für unsere SchülerInnen an den fortschreitenden Klimawandel anzupassen und sie weiterhin erfolgreich unter unsere Fittiche zu nehmen. So müssen wir beispielsweise alle GymnasiastInnen zum schriftlichen Abitur führen, was einen enormen Unterschied zur neunjährigen Flugschule darstellt, als man eine schriftliche Bruchlandung noch durch ein geschicktes Manöver vermeiden konnte.

Da das Gefieder der allgemeinen Hochschulreife zudem immer leuchtender in den Farben der journalistischen Schreibformen schillert haben auch wir mittlerweile die vierte Wochenstunde in Jahrgangsstufe 10 eingeführt. Sie ist bewusst als reine Schreibstunde konzipiert, damit in diesen Freiflugphasen die Flugtechniken eingeübt werden können, auf die wir in der Qualifikationsphase zurückgreifen können müssen. Übungsaufsätze zu Hause können dadurch deutlich reduziert werden. Da im Abitur stets eine Wahlmöglichkeit zwischen den „konventionellen“ und den journalistischen Aufsatzformen besteht, ist uns diese Gelegenheit zu individueller Beratung und Förderung besonders wichtig, weiß man doch, was passieren kann, wenn Flügel, die nur mit Wachs befestigt wurden, der Sonne zu nah kommen.

Der Nistplatz der Fachschaft  Deutsch wird also auch weiterhin im Aus- und Umbau begriffen sein – und wir Deutschlehrer emsig Nistmaterial beschaffende, bunte Vögel mit Blick auf die immer wieder neuen, spannenden Bedürfnisse derer, die flügge werden, und bereit für den Einsatz als Bodencrew, falls doch mal eine Notlandung nötig ist!

Für das Fachschaftsteam: G. Pillmayer, B. Ulbrich